Labor 1932

Der Erinnerungsort

Zum Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit

Zum Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit bei der I.G. Farben weihte die Bayer AG im Mai 2023 in Leverkusen einen Erinnerungsort ein. Die fünf Meter hohe Skulptur, die in die Richtungen der ehemaligen niederrheinischen I.G. Farben Standorte weist, ist eine künstlerische Übersetzung persönlicher Notizen, Firmenunterlagen und historischen Daten aus dem Bayer Archiv. Sie dokumentiert die Schicksale von rund 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.

 

Nicht als statisches Denkmal, sondern als organische Skulptur fordert sie nachhaltig zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der I.G. Farben während des Zweiten Weltkriegs auf. Während die polierten Edelstahloberflächen unverändert bleiben, wird die Verwendung von unbehandelten Hölzern und Samen, die in und um die Skulptur gesät werden, dazu führen, dass sich die Skulptur im Laufe der Zeit verändert.

The Memorial

Die Idee des Erinnerungsortes

Einblicke in die unterschiedlichen Realitäten der Zwangsarbeit

Durch die Verwendung der historischen Originalakten über rund 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus dem Bayer Archiv, die in und um Leverkusen eingesetzt wurden, wurde ein Ort geschaffen, der individuelle Schicksale reflektiert.

Matthias Berninger

“Aus unserer Sicht ist die Kunst ein geeigneter Weg, um an das Verbrechen der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Für uns als Unternehmen war es wichtig, einen Ort des gemeinsamen und individuellen Gedenkens zu schaffen. Wir wollten uns zu unserer moralischen Verantwortung für die Folgen des Unrechts der Vergangenheit bekennen, indem wir einen proaktiven, selbstreflexiven Umgang mit dem Erbe der I.G. Farben fördern”.

Matthias Berninger, EVP, Head of Public Affairs, Science, Sustainability & HSE.

Die vorliegenden historischen Aufzeichnungen geben Hinweise auf die Einzelschicksale der Opfer von Zwangsarbeit aus Sicht der I.G. Farben. Bei der Erhebung der Daten und der Zusammenstellung des Datensatzes stießen wir auf Namen, Alter, demografische Daten und den Verbleib vieler Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Daten geben einen Einblick in die unterschiedlichen Realitäten der Zwangsarbeit.

Die physische Konstruktion

Pflanzen und andere lebende Organismen werden die Gedenkstätte mit der Zeit verändern

Konstruktion und Form der Skulptur zeigen die Daten auf unterschiedliche Weise: physisch, virtuell und als lebendige, wachsende Natur. Der Kern der Skulptur besteht aus polierten Stahlplatten. Die Holzstruktur, in die lebende Pflanzen eingebettet sind, repräsentiert die komplexe Lebenswirklichkeit der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Im Laufe der Zeit werden Pflanzen und andere lebende Organismen die Gedenkstätte. Diese zeitliche Dimension soll den ständigen Wandel darstellen, dem wir alle unterworfen sind: Im Gegensatz zu statischen Daten und der Vergangenheit wird sich die Gedenkstätte, wie der Rest der Welt, verändern und so alle Mitarbeitenden und Besuchenden daran erinnern, dass das Erinnern an die Vergangenheit unerlässlich ist, insbesondere mit Blick auf die Zukunft.

Digitale Vergrößerung

Entschlüsselung der physischen Struktur der Gedenkstätte

Die Installation wird von einer Web-App begleitet, die die Bedeutung der Archivdaten entschlüsselt und den von einer Zeitrafferkamera aufgezeichneten Transformationsprozess der Skulptur dokumentiert. Aufgrund der unvorhersehbaren Veränderungen durch Zersetzung und Pflanzenwachstum wird die Skulptur auf immer neue Weise an die Opfer erinnern.

 

Über die App können die Daten auf verschiedene Weise abgerufen werden, von räumlichen Bezügen und demografischen Details bis hin zu individuellen Zitaten aus der Datenbank. Ein 3D-Modell der Skulptur zeigt verschiedene Perspektiven und wie die Daten auf unterschiedliche Weise verarbeitet wurden.

3D model of the sculpture

Die physische Skulptur wird durch eine App ergänzt, die seine einzigartige Form entschlüsselt. © ART + COM

ART + COM Studios

Die kreativen Köpfe hinter dem Erinnerungsort

 

Der Erinnerungsort wurde von einer interdisziplinären Gruppe von Künstler*innen und Designer*innen in Zusammenarbeit mit Studio Milz entworfen und gebaut. Geleitet wurde das Projekt von Professor Jussi Ängeslevä von ART+COM Studios. Ziel war es, einen Datensatz mit Informationen zu den rund 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern der I.G. Farben aus dem Bayer-Archiv physisch und künstlerisch zu interpretieren.

Jussi Ängeslevä

"Während des Entstehungsprozesses der Gedenkstätte vor der Bayer Zentrale in Leverkusen haben wir uns gefragt, wie wir einen bescheidenen, aber wahrhaftigen Beitrag zu einer Erinnerungskultur leisten können. Wir wollten die Schicksale und Realitäten der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter deutlich machen, indem wir es den Betrachtenden eine Identifikation mit den Schicksalen der Menschen ermöglichen.”

Professor Jussi Ängeslevä, ART+COM Studios

Die computergestützte Skulptur aus Holz, Stahl und lebenden Pflanzen wird sich im Laufe der Zeit bewusst durch die Kräfte der Natur verändern und Mitarbeitende und Besuchende daran erinnern, dass die Erinnerung an die Vergangenheit unerlässlich ist, wenn man an die Zukunft denkt.