BCOR 2026: Auftakt des zweiten Deutsch-US-amerikanischen Austauschs in Berlin und Frankfurt
Mitte September hat die neue Kohorte von Building Cultures of Remembrance (BCOR) ihren transatlantischen Austausch zu den Themen Erinnerungskultur und Corporate Social Responsibility begonnen. BCOR ist ein transatlantisches Austauschprogramm der internationalen Organisation Cultural Vistas für Fach- und Führungskräfte aus Deutschland und den USA.
Der Auftakt des Programms fand in Berlin statt, wo die Teilnehmenden drei Tage sich mit der NS-Zeit und dem Kolonialismus beschäftigten. Der Historiker Dr. Christoph Kreutzmüller, Vorsitzender des Vereins Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, gab einen Einblick in die Geschichte der Erinnerungskultur in Deutschland mit Blick auf das NS-Regime und seine Opfer. Er zeichnete die langwierige Entwicklung der heutigen deutschen Erinnerungskultur und die noch immer anhaltenden lebhaften Debatten über die richtigen Formen des Erinnerns und Gedenkens nach. Anschließend zeigte Christoph Kreutzmüller den Teilnehmenden bei einem Stadtrundgang verschiedene Berliner Denkmäler und Mahnmale, darunter das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, den Gedenkort für die Opfer der „Euthanasie“-Morde, das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung sowie das Denkmal zur Erinnerung an den Rosenstraßen-Protest.
Am darauffolgenden Tag fand eine dekoloniale Stadtführung durch das sogenannte „Afrikanische Viertel“ in Berlin-Wedding statt. Auf den Spuren des deutschen Kolonialismus hat die Gruppe die Entstehungsgeschichte des Viertels, die Hintergründe von Straßennamen und vielfältige Geschichten des Widerstands kennengelernt. Dabei ging es neben historischen Fakten der Kolonialgeschichte auch um Ableitungen für unsere heutige Gesellschaft und die anhaltend große Notwendigkeit für eine lebendige Erinnerungskultur.
Danach fuhren die Teilnehmenden zur Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), wo sie mehr über die Aufarbeitung der NS-Verbrechen und aktuelle Projekte der Stiftung kennenlernten. Annemarie Hühne-Ramm, Geschäftsführerin der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung, informierte zudem über die Entstehung der Finkelstein Stiftung und stellte verschiedene Projekte vor. Katharina Schwarz, Teilnehmerin des BCOR-Programms und Mitarbeiterin der Stiftung EVZ, präsentierte zudem das Projekt „Informiert, couragiert, engagiert!“, welches verschiedene Lernangebote zu den Themen Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und Verschwörungserzählungen umfasst.
Um die NS-Geschichte an einem historischen Ort inhaltlich zu vertiefen, besuchte die Gruppe die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Brandenburg und nahm an einer Führung über das ehemalige Lagergelände teil. Danach fuhr die BCOR-Gruppe weiter nach Frankfurt. Dort lag der thematische Fokus auf unternehmerischer Verantwortung in der Vergangenheit und in der Gegenwart. So besuchten sie das ehemalige I.G. Farben-Haus auf dem Campus der Goethe Universität, in dem sich ursprünglich die Zentralverwaltung des Chemiekonzerns I.G. Farbenindustrie AG befand.
Darum, welche Rolle Aufarbeitung heute in Unternehmen spielt, ging es bei der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG), wo Andrea Schneider-Bromberger (GUG) und Tobias Freimüller (Fritz Bauer Institut) Einblicke und Impulse zu den Schnittstellen von Erinnerungskultur und Corporate Social Responsibility boten. Um das neu erlernte Wissen anhand eines Beispiels zu vertiefen, lernte die Gruppe in einem Workshop der Bildungsstätte Anne Frank, wie historische Verantwortung in Bildungs- und Demokratiearbeit übersetzt werden kann. Um den Blick auf Unternehmen zu richten, befasste sich die Gruppe mit dem ehemaligen Fahrzeug- und Maschinenbauunternehmen Adlerwerke, wo heute ein Geschichtsort ist und mit der Allianz SE.
Dieser erste Teil des transatlantischen Austauschprogramms hat den Teilnehmenden breitgefächertes Wissen über die Rolle von Unternehmen in der NS-Zeit und verschiedene Formen des Umgangs mit der historischen Verantwortung vermittelt. Sie nehmen vielfältige Impulse mit nach Hause, wie unternehmerische Verantwortung zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen kann. Im November wird die BCOR-Gruppe ihr Programm in den USA fortsetzen.