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Berthold Finkelstein

Gründer des Gustav-Stresemann-Instituts

Eines der drei Kinder von Hans und Annemarie Finkelstein war Berthold, 1925 geboren in Krefeld. Angesichts der jüdischen Herkunft seines Vaters Hans, wurde Berthold nach den Nürnberger Rassengesetzen als „Halb-Jude“ eingestuft und als Zwangsarbeiter an den Niederrheinstandorten eingesetzt, um die Expansion der lokalen Produktion zu unterstützen. Aller Widrigkeiten zum Trotz überleben Berthold, seine Mutter Annemarie und die beiden Geschwister den Krieg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann er 1945 in Bonn zu studieren. Er entschied sich für Chemie, Theologie und Wirtschaftswissenschaften als Studienfächer und machte seinen Abschluss in Volkswirtschaft.

Berthold Finkelstein

Berthold Finkelstein © Gustav-Stresemann-Institut e.V.

Fürsprecher für internationale Verständigung

Förderung demokratischer Perspektiven

Aufgrund seiner Erfahrungen von Diskriminierung, dem Verlust seines Vaters und seiner Zeit als Zwangsarbeiter, setzte sich Berthold Finkelstein aktiv für eine aufgeklärte Demokratie in Deutschland ein und widmete sich der politischen Bildung.

 

Er berichtete, dass seine Begegnungen mit anderen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus Ländern wie Polen oder Frankreich für ihn die Grundlage schufen, um ein „wahrhafter Europäer“ und Fürsprecher der internationalen Verständigung zu werden. Vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland organisierte er als Student internationale Treffen mit Universitäten in den Nachbarstaaten Europas, darunter auch Oxford. Ab 1949 war er an der Gründung des Internationalen Studentenbunds (ISSF) beteiligt und wurde dessen Vorsitzender. Außerdem war er bei den Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland aktiv.

 

Berthold Finkelstein

Johannes und Berthold Finkelstein an seinem 60. Geburtstag © Gustav-Stresemann-Institut e.V.

Auf Initiative des belgischen Politikers Paul-Henri Spaak wurde 1951 das Jugendsekretariat der Europäischen Bewegung gegründet, um die aktive Beteiligung am Aufbau eines neuen, demokratischen und friedlichen Europas zu fördern. Berthold Finkelstein wurde Leiter des deutschen Büros der Europäischen Jugendkampagne. 1959 wurde aus dieser Institution ein unabhängiges Institut für länderübergreifende Bildung und europäische Zusammenarbeit. In Anerkennung der Verdienste für Frieden und europäische Zusammenarbeit des Staatsmanns und Friedensnobelpreisträgers Gustav Stresemann, wurde das Institut Gustav-Stresemann-Institut genannt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1996 war Finkelstein Leiter des Instituts.


Berthold war mit Gertraude Hinrichs verheiratet, mit der er einen Sohn bekam: Johannes Finkelstein.

Gustav Stresemann Institut

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Johannes Finkelstein

„Zwangsarbeit, der Verlust des Vaters und das Trauma des Krieges hatten auf ihn eine starke Wirkung und beeinflussten seine spätere Arbeit in der politischen Bildung maßgeblich.“

Johannes Finkelstein

Die Geschichte der Familie Finkelstein ist noch immer nicht vollständig erforscht und wird weiterhin aufgearbeitet. Da die Leben von Hans und Berthold Finkelstein und dadurch auch die von Annemarie, Klaus-Peter und Eva Finkelstein mit der Unternehmensgeschichte der I.G. Farben in Verbindung stehen, will die Hans und Berthold Finkelstein Stiftung weitere unabhängige Forschung unterstützen.

 

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