Wir nehmen Abschied von Rüdiger Borstel
Mit großer Trauer haben wir vom Tod unseres geschätzten Beiratsmitgliedes und Unterstützers Rüdiger Borstel erfahren.
Rüdiger Borstel studierte Geschichte, ur- und frühgeschichtliche Archäologie sowie Kunstgeschichte in Köln und Bonn. Nach ersten Tätigkeiten als Archäologe in Krefeld-Gellep wechselte er 1989 zur Bayer AG, wo er zunächst im Stab des Werksleiters und später im Kommunikationszentrum tätig war. Von 2000 bis Ende 2024 prägte er als Unternehmenshistoriker im Bereich Heritage Communications die Arbeit des Bayer-Archivs. Dort war er für alle Fragen zur Entschädigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zuständig und leitete das International Archives Project.
Sein Fachwissen war beeindruckend: Rüdiger war Experte für die Geschichte der I.G. Farben, die NS-Zeit sowie den Ersten Weltkrieg. Über zwei Jahrzehnte widmete er sich der Biografie von Dr. Hans Finkelstein – eine Forschung, die zur Grundlage unserer Stiftung wurde.
Er kämpfte unermüdlich für die historische Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Er sicherte Dokumente und setzte sich mit Leidenschaft gegen das Vergessen und gegen jede Form von Diskriminierung ein. Sein Leitsatz war:
„Nur wenn wir die wenigen, noch greifbaren Schicksale aus jener Zeit rekonstruieren, lebendig halten und uns ihrer erinnern, können wir wirklich aus der Geschichte lernen. Diese Erinnerung macht uns widerstandsfähig gegenüber den heute wieder aufkommenden Herausforderungen wie Hass und antisemitischen Tendenzen – und befähigt uns, aktiv gegenzusteuern.“
Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Dezember 2024 blieb Rüdiger unserer Stiftung aktiv verbunden. Als Mitglied des Beirats unterstützte er uns mit Recherchen, Kontakten und eigenen Initiativen wie Vorträgen und Stolpersteinverlegungen. Sein Wissen, seine Herzlichkeit und sein Gestaltungswille haben unsere Arbeit bereichert und inspiriert. Wir werden seine Arbeit weiterführen, die Forschung zu Hans und Berthold Finkelstein vertiefen und Projekte zur Erinnerung und Stärkung gesellschaftlicher Resilienz in seinem Sinne fortführen.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Pegi und allen Angehörigen. Möge die Erinnerung an Rüdiger Trost spenden und uns zugleich Ansporn sein, seine Arbeit fortzusetzen.
Lieber Rüdiger, du wirst uns durch deine Worte und dein Wirken weiterhin begleiten. Wir sind dankbar, dich kennengelernt zu haben – als Kollegen, als Freund und als unermüdlichen Streiter für Menschlichkeit.
Annemarie Hühne-Ramm, Geschäftsführerin der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung im Namen aller Mitarbeitenden und Beiratsmitglieder