Biographische Studie zu Fritz Ter-Meer  

Ein Forschungsprojekt zur historischen Analyse eines Schlüsselakteurs der I.G. Farben.Die Studie untersucht das Leben von Fritz ter Meer vor allem im Hinblick auf seine Funktionen innerhalb der I.G. Farben, seine Verantwortungsbereiche in technischen und strategischen Entscheidungsprozessen sowie seine Rolle im Kontext der Unternehmens- und Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

 

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Fritz ter Meer bei den Nürnberger Prozessen 1947. Foto: Office Chief of Counsel for War Crimes, Nürnberg, Germany. / Bayer Archiv 

Sie verbindet einzelne Lebensphasen zu einer zusammenhängenden Analyse und ordnet ter Meers Aktivitäten in die wirtschaftlichen, politischen und institutionellen Strukturen ein.

 

Die Studie wird von PD Dr. Florian Schmaltz durchgeführt. Er ist Wissenschaftshistoriker mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Chemie, industrieller Forschung und Wissenschaftspolitik. Schmaltz verfügt über umfassende Erfahrung in der Analyse von Unternehmensarchiven, internationalen Forschungsnetzwerken und den Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Industrie und staatlicher Politik. Seine fachliche Perspektive ermöglicht eine differenzierte Auswertung der Quellen und eine präzise Einordnung von Fritz ter Meers beruflichen Rollen und Handlungsspielräumen in verschiedenen historischen Kontexten.

 

Die Studie verfolgt das Ziel, die beruflichen Rollen und Entscheidungswege Fritz ter Meers historisch einzuordnen sowie seine Funktionen und Netzwerke im Kontext der I.G. Farben präzise zu analysieren. Sie schafft damit eine Grundlage, um Verantwortungsstrukturen, Kontinuitäten und unternehmensgeschichtliche Zusammenhänge des 20. Jahrhunderts besser zu verstehen.

 

Für die Zeit des Nationalsozialismus analysiert die Studie seine Beteiligung an Aufrüstungsvorhaben, Industrieabkommen und chemischen Rüstungsprojekten. Ein Schwerpunkt liegt auf seiner Verantwortung für das Werk Auschwitz-Monowitz, das in das System der Zwangsarbeit eingebunden war und in die tausenden KZ-Häftlinge aufgrund der Bedingungen starben.  

 

Nach 1945 befasst sich die Studie mit dem I.G.-Farben-Prozess, in dem ter Meer 1948 wegen Plünderung und Versklavung verurteilt wurde, sowie mit seiner vorzeitigen Entlassung 1950. Anschließend werden seine Funktionen in der westdeutschen Wirtschaft nachgezeichnet, darunter seine Rückkehr in führende Unternehmensgremien, auch der Bayer AG und seine Einbindung in wirtschaftliche Netzwerke der Bundesrepublik.

 

Für die Finanzierung des Projektes erhält die Finkelstein Stiftung finanzielle Unterstützung der Bayer Foundation. Die frühere Fritz‑ter‑Meer‑Stiftung wurde später in die Bayer‑Studienstiftung umbenannt und 2007 vollständig in die Bayer Science & Education Foundation überführt. Die Bayer Foundation unterstützt so die Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte.