Forschung zu Menschenversuchen im NS

In einer Vorstudie der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte haben die Finkelstein Stiftung und die Schering Stiftung die historische Aufarbeitung von Menschenversuchen im Nationalsozialismus und der Frage nach der Rolle der beiden Unternehmen I.G. Farben und Schering angestoßen.

Block 10, Auschwitz

Block 10 in Auschwitz I (Stammlager)

Ausgehend von einer umfangreichen Archiv- und Literaturrecherchen beleuchtet diese Vorstudie die medizinische Menschenversuche in Konzentrationslagern und psychiatrischen Einrichtungen, insbesondere im Zusammenhang mit der Erprobung von Medikamenten und Impfstoffen. Analysiert werden personelle, finanzielle und materielle Verflechtungen zwischen einzelnen Akteuren, medizinischen Forschungsvorhaben und den beteiligten Unternehmen. Dabei werden sowohl konkrete Fallbeispiele aufgeführt – etwa aus Auschwitz, Ravensbrück und Buchenwald – als auch personelle Zusammenhänge wie zu Carl Clauberg, Josef Vonkennel und Hellmuth Vetter.  

 

Die Ergebnisse zeigen, dass es zahlreiche Hinweise auf eine indirekte Verstrickung beider Unternehmen gab, etwa durch finanzielle Unterstützung von Forschern, die Lieferung von Präparaten oder die Mitarbeit einzelner Angestellter an entsprechenden Projekten. Überschneidungen zwischen Schering und I.G. Farben traten nur in begrenztem Umfang auf.

 

Die Vorstudie macht deutlich, dass weiterer Forschungsbedarf besteht, um zu verstehen, ob es eine zentrale Steuerung der Aktivitäten gab. Insbesondere die Auswertung bislang unberücksichtigter Quellen wie Überlebendenberichte und Zeugenaussagen aus Gerichtsprozessen versprechen weitere Erkenntnisse. Das Projekt versteht sich daher als Beginn für weitere Forschungsvorhaben, die die Finkelstein Stiftung zukünftig unterstützen wird.  

Eine Zusammenfassung der Recherche kann hier heruntergeladen werden.