“Vergessene Kollaborationen?”  

Der italienische Faschismus und die Malariaforschung der I.G. Farben. Eine neue Perspektive auf die Rolle der I.G. Farben in der deutsch-italienischen Wirtschaftsgeschichte.  

United for Democracy

Chemotherapeutisches Labor Werk Elberfeld 1936 © Bayer AG, Bayer Archiv Leverkusen

Das Projekt an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen untersucht die Malariaforschung der I.G. Farben aus einer bislang unerforschten deutsch-italienischen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, ob und in welchem Ausmaß politische Akteure und Wissenschaftler*innen des faschistischen Italiens in den 1920er und 1930er Jahren diese Forschung für eigene Zwecke nutzten oder weiterentwickelten. Damit rückt das Projekt die tropenmedizinische Forschung der I.G. Farben in den Kontext zweier faschistischer Regime und ermöglicht eine Neubewertung ihrer Rolle innerhalb der deutschen und italienischen Wissenschaftsgeschichte.

 

Durch diese Perspektivverschiebung werden bestehende Lücken in der Erinnerungskultur sichtbar: Das Projekt hinterfragt etablierte Narrative, tradierte Täter*innen- und Opferrollen sowie die häufig national verengte Zuordnung von Verantwortung für die faschistischen Verbrechen . Dabei lautet die leitende These, dass die Malariaforschung ein geeignetes Beispiel ist, um wirtschaftliche, ethische und politische Verantwortung wissenschaftlichen Handelns zu diskutieren.

 

Methodisch verbindet das Projekt historisch‑hermeneutische Archivarbeit mit einem sozialanthropologischen, partizipativen Ansatz. Dadurch werden nicht nur strukturelle Zusammenhänge offengelegt, sondern auch individuelle, kollektive und intergenerationale erinnerungskulturelle Dynamiken sichtbar gemacht.

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