Neue Dauerausstellung der Villa Merländer eröffnet
Finkelstein Stiftung fördert Ausstellungsraum zu NS-Zwangsarbeit
Am 18. Mai hat die Villa Merländer in Krefeld ihre neue Dauerausstellung eröffnet. Die NS-Dokumentationsstelle der Stadt präsentiert damit die Stadtgeschichte im Nationalsozialismus in einer grundlegend überarbeiteten Form. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale der Menschen, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, entrechtet und ermordet wurden.
Oberbürgermeister Frank Meyer, das Team der Villa Merländer und die Förderer bei der Eröffnung in Krefeld. © Villa Merländer
Die Finkelstein Stiftung hat den Ausstellungsraum zum Thema NS-Zwangsarbeit gefördert. „Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum noch Menschen, die aus eigener Erfahrung von der NS-Zeit berichten können“, sagt Annemarie Hühne-Ramm, Leiterin der Finkelstein Stiftung. „Umso wichtiger sind Orte, die historische Zusammenhänge vermitteln und individuelle Schicksale sichtbar machen. Uns war es wichtig, die Darstellung und Erforschung der Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus auf der lokalen Ebene zu unterstützen, weil der Themenkomplex in der Erinnerungskultur weiterhin wenig Raum einnimmt und das Thema eine wichtige Säule in der Beteiligung am NS-Unrecht aufzeigt.“
© Villa Merländer
Die neue Ausstellung erzählt die Geschichte des Nationalsozialismus aus Krefelder Perspektive. Ausgangspunkt ist die Biografie des jüdischen Seidenhändlers Richard Merländer, der die Villa erbauen ließ,1942 deportiert und ermordet wurde. Weitere Schwerpunkte sind die Verfolgung homosexueller Menschen, die Diffamierung moderner Kunst als „entartet“ sowie die Zwangsarbeit während des Krieges.
Die Ausstellung verbindet historische Dokumente, persönliche Biografien, Objekte und digitale Medien. Inhalte können künftig erweitert werden, wenn neue Forschungsergebnisse oder Quellen bekannt werden. So bleibt sie offen für neue Perspektiven und Erkenntnisse.
Historische Verbindungen zu Krefeld und zur Geschichte der Familie Finkelstein
Raum zum Thema NS-Zwangsarbeit in der Dauerausstellung. © Villa Merländer
Die Verbindungen zwischen der Finkelstein Stiftung, der Stadt Krefeld und der Villa Merländer sind historisch, institutionell und erinnerungspolitisch eng miteinander verknüpft. So war Krefeld-Uerdingen einer der vier Standorte der Betriebsgemeinschaft Niederrhein der I.G. Farben. Rund 3.000 Menschen mussten dort Zwangsarbeit leisten.
© Villa Merländer
Die Förderung des Raumes knüpft zugleich an die Geschichte der Familie Finkelstein an. Hans Finkelstein war leitender Wissenschaftler und Chemiker am damaligen Werk Uerdingen der I.G. Farben. Als jüdisch-stämmig wurde er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verfolgt und aus seinem beruflichen Umfeld gedrängt. Sein Sohn Berthold teilte das Schicksal der Familie, in dem er im Werk Zwangsarbeit leisten musste.
In den vergangenen Jahren arbeiteten die Villa Merländer und die Finkelstein Stiftung bereits bei Veranstaltungen zur lokalen Erinnerungskultur zusammen. Die Unterstützung der neuen Dauerausstellung setzt dieses Engagement fort.